Neusser Sappeur-Korps 1830
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Neusser Sappeur-Korps 1830 Historie des Neusser Schützenfestes “Uniformen und Schützentracht im Neusser Schützenwesen” von Joseph Lange (genehmigter Auszug, entnommen der Festschrift "Neusser Bürger Schützenfest” 27. bis. 31. August 1999) Die Sappeure, sagen die Neusser, richtiger müßte es heißen, die Sappeurs. Also das Neusser Sappeurkorps von 1830, eine stabile, kompakte und durch nichts zu erschütternde Truppe. Eine farbenprächtige und selbst- bewusste Phalanx, oft kopiert, nie erreicht. Ihre stattliche Erscheinung wird bestimmt vom Weiß der Hosen, vom Hellbau der Waffenröcke, vom Weiß der Schürzen aus Ziegenleder, von der schwarzen Bärenmütze der Chargierten mit wallendem weißen Haarbusch und dem Tschako der übrigen Mannschaft mit dem fülligroten Stutz aus Büffelhaar. Alle Kopfbedeckungen sind mit Fangschnur versehen. Die Männer führen eine Axt, die sich zeitgemäß aus einem geschärften Eisen in ein harmloses Instrument aus verchromten Weißblech verwandelt hat. Als Sappeure wurden in Zeiten vergangener Kriegskunst die Soldaten bezeichnet, welche die Sappen, die Lauf- und Annäherungsgräben vor feindlichen Stellungen anlegten. Zeitweilig fielen sie unter den Sammel- begriff Pioniere oder man unterschied Pioniere, Mineure und Sappeure. Ihre technische Verwendung beschränkte sich nicht auf das Sappen bauen, sie waren auch gefragt beim Hindernisräumen, beim Bäume fällen, bei der Beschaffung von Schanzpfählen, beim Biwak- und Lagerbau. Ihr Platz war an der Spitze der marschierenden Truppe. Zur allgemeinen Bewaffnung erhielten sie ein Spezialgerät, eben eine langgestielte Zimmermannsaxt. Die französische Bezeichnung Sappeur besagt nicht, dass es sich um eine lediglich im französischen Heer übliche Formation gehandelt habe. Sappeure gab es in vielen Heeren, selbst die Bürgermilizen etwa von Hamburg und Lübeck hielten sich Sappeure. Im alten preußischen Heer hatte jede Kompanie einen Zimmermann. Nach 1816 traten vielseitiger ausgerüstete und zu verwendende Pioniereinheiten an ihre Stelle und mit dem Verschwinden der traditionellen Truppe und ihrer Uniformen konnten die Behörden auch nichts mehr dagegen einzuwenden haben, dass sich Sappeure als historische Reminiszenz ins Neusser Schützenregiment einreihten. Vielleicht, ja, vielleicht war einer unter den Initiatoren, der noch unter Napoleon gedient hatte, vielleicht im 5. Sappeurs-Bataillon in Metz, wohin das Roer-Department, zu dem Neuss gehörte, einmal 72 Mann abstellen musste. Den Anfängen des Neusser Sappeurkorps ist eine gewisse Tragik nicht abzusprechen: In dem Jahr, in dem sie beim Schützenfest zum ersten Mal in Erscheinung traten, machte der Schützenverein pleite und der Vorsitzende, der sich für die Ausstattung der Truppe stark gemacht hatte, musste abtreten. Daß zu dieser Ausstattung auch künstliche Schnauzbärte gehörten, kann uns heute nur noch erheitern, entsprach aber in der Tat einmal militärischem Brauch. Wem keiner gewachsen war, musste sich einen künstlichen ans Kinn kleben zum Preis von 20 Silbergroschen pro Kinn. Wie überhaupt die Sappeure anfänglich vom Verein bezahlt wurden. Ein Brauch, der glücklicherweise abhanden gekommen ist. An den Schützenfesttagen versieht das Sappeurkorps den Wach- und Ehrendienst an der Residenz des Schützenkönigs, des Reitersiegers, am Rathaus, am Zeughaus und beim Schützenpräsidenten. Ansonsten dürfen sie fröhlich und keineswegs trinkscheu sein.
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