3 Vorreiter
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3 Vorreiter Historie des Neusser Schützenfestes “Uniformen und Schützentracht im Neusser Schützenwesen” von Joseph Lange (genehmigter Auszug, entnommen der Festschrift "Neusser Bürger Schützenfest” 27. bis. 31. August 1999) Den Zug eröffnen die drei sogenannten Vorreiter mit der Regiments- und Festfahne von 1848, die gearbeitet und geschenkt wurde von einigen kunstfertigen Neusser Damen - früher sagte man auch schon mal Jungfrauen - und aus Anlass des 25jährigen Bestehens des Vereins am Schützenfestsonntag im großen Rathaussaal von den laut Bericht "holden Gerberinnen" überreicht wurde. Die Fahne ist - nach etlichen Reparaturen - noch heute Erinnerung an das Fest des Revolutionsjahres 1848, das aber in Neuss in schönster Harmonie begangen wurde und so viel Freude auslöste, dass selbst der "General" der Gründer- jahre es sich nicht nehmen ließ, noch einmal hoch zu Roß die Schützen zu beglücken und dem Oberst Konkurrenz zu machen. Der mittlere Herr der Vorreiter, der Fahnenträger, war wohl der schlichtgekleidetste von allen Zugteilnehmern; er trug seinen herkömmlichen schwarzen Feiertaganzug, den er nicht unbedingt schon am Hochzeitstag getragen haben musste; inzwischen hat er sich eines Reiterfracks bemächtigt, trägt eine rotweiße Schärpe und den grünbekränzten Zylinder. Bewacht, ja, so muss man schon sagen, wird er und die kostbare Fahne von zwei mit stabilen Rössern beritten gemachten Kürassieren. Das waren die Draufgänger der schweren Schlachten-Kavallerie, wörtlich Panzerreiter. Sie tragen eine weiße Montur, Rock und Hose und sind geschützt durch einen Harnisch, durch Brust- und Rückenpanzer und einen schweren Helm mit Rosshaarzier - den kannten die alten Römer schon. Ihre Waffe ist der Pallasch, der "Haudegen" mit schwerer gerader Klinge. Ihr erstes Auftreten im Neusser Regiment liegt in den 30er Jahren der Frühzeit. Anfänglich liehen sich die Neusser die Ausstattung bei der Stadt Köln und es wurde überliefert, dass Kürassiere, Helme und Säbel auch bei den Kölnern eine solche Wertschätzung genossen, dass der Kölner Oberbürgermeister persönlich die Ausleihe und Rückgabe bescheinigte. Es ist aber auch vorgekommen, dass die Neusser die Rückgabe verschlampten, so dass der Oberbürgermeister höchst ungnädig daran erinnern musste. Wer auf den Gedanken gekommen ist, sich derart martialisch an die Spitze zu setzen, ist nicht überliefert. Vielleicht war es ein Altgedienter, vielleicht auch war er 1814 siegreich dabei gewesen, als die Preußen in französischen Kasernen Kürassiere regimentsweise als Kriegsbeute vereinnahmten und ihre eigenen Regimenter damit ausrüsteten - wer weiß. Unsere Spitzenreiter sind noch dadurch besonders gewichtig, weil sie standesgemäß auf schweren belgischen Kaltblütern aufsitzen. So bilden sie, allesamt von hinten gesehen, die breiteste Front im ganzen Regiment. Sie hatten auch so ihre Sorgen. Woher immer die "decke Päd" nehmen! Und als beim neuen Anfang nach dem letzten Krieg weit und breit kein Küraß zu finden war, wusste ein findiger Mann sie aus Belgien zu schaffen, aus Antwerpen. International waren sie immer, die Kürassiere. Die Neusser schätzen sie. Nur einmal haben sie grinsen müssen, als die Vorreiter mit dem Sappeurkorps beim Münchener Oktoberfest in Festzug mitmarschieren sollten und eben keine "dicke Päd" aufzutreiben waren. Sie mussten sich mit Reitpferden begnügen. Man stelle sich vor: Kürassiere auf zartgebauten Hottapferdchen! Die Neusser aus dem Gefolge der Expedition zu den Bajuwaren dachten, die brechen jeden Moment zusammen - die Pferdchen... haben aber Glück gehabt, die Kürassiere.
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